Facebook-Interaktivität erhöhen: Es funktioniert!

Guerilla-Posting als Alternative zu gesponserten Post

Wie es in einer Social Media Agentur durchaus üblich ist, hatten wir den Auftrag bekommen, die Bekanntheit einer kleinen Kölner Produktionsfirma zu erhöhen. Interaktionsrate verbessern bitte! Der Umfang war aufgrund des Start-up-Charakters des Auftraggebers eher gering und deswegen galt es, die üblichen Pfade des Facebook-Marketings zu verlassen und neue, abenteuerliche Weg zu erschließen. In einer Redaktionssitzung entstand der Begriff des Guerilla-Postings. Zugegebenermaßen ist das Attribut des Guerillas etwas abgenutzt, aber da es sich lediglich um einen Arbeitstitel handeln sollte, war es schon ok. Außerdem beschreibt es die Vorgehensweise auf eine vorzügliche Art.

Neben dem Guerilla-Posting veröffentlichen wird auch die üblichen Beiträge, von denen wir hofften, dass sie geteilt werden und dass die Community sie ohne Ende abfeiert. Allerdings war dieses Bemühen aufgrund der anfänglich sehr winzigen und wohl eher aus Familienmitgliedern bestehenden Fanschar praktisch zu vernachlässigen. Unsere ganze Kraft steckten wir also ins Guerilla-Posting.

Das Team

Diese Mission übernahm ein kleines, schlagkräftiges Team aus einem Online-Marketing Experten und einem Autor für humoristische Angelegenheiten. Jeder Mitte 30 und sattelfest in Popkultur und deutscher Medienwelt, typische Generation Y-Member, mittlerweile mit beiden Beine im Berufsleben stehend, dennoch immer noch auf der Suche nach dem Hanebüchenen, der Anspruch an die eigene Kreativität fast nicht mehr messbar. Genug der Charakterisierung.

Wir arbeitetet in Schichten, um einen größtmöglichen Zeitraum abdecken zu können und um stets bereit für ein Posting zu sein. Denn es geht vor allem um Geschwindigkeit, wenn der „Startschuss“ gefallen ist. Den Startschuss gaben die abonnierten Seiten, indem sie ein Posting setzten, zu dem uns direkt eine Pointe oder ein Wortspiel eingefallen ist. So saßen wir zum Teil viele Stunden wie das Kaninchen vor der Schlange, wobei man eher sagen konnte, dass wir wie die Schlange vor dem Kaninchen saßen.

Die Methode

Wir abonnierten mit der Seite unseres Kunden möglichst viele Seiten, die mit einer hohen Schlagzahl Crazy-Content, Nachrichten jeglicher Couleur in unsere Timeline spülten und die von unserer Zielgruppe auch bereits mit einem Like versehen wurden. Um einen kleinen Eindruck der Abonnements zu geben, kann man sagen, dass es ungefähr 100 Seiten von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendeanstalten, Nachrichtenmagazinen, Satire- und Humorkollektiven und Boulevardmagazinen waren, dessen geistige Ergüsse wir stets beobachteten, um sie prompt zu kommentieren.

Der Kommentar mit besonderen Ansprüchen

Nur kommentieren? Wir versuchten direkt nach Erscheinen des Posts einen möglichst pointierten oder provokanten Kommentar zu applizieren, um von anderen Mitglieder der Community sofort wahrgenommen und bestenfalls auch geliket zu werden.

Schneller ist besser?

Die Erfahrung hat uns nämlich gelehrt, dass frühe Kommentare sichtbarer sind als später hinzugekommene, sie deswegen öfter geliket wurden und samt Namen unseres Profils für alle sichtbar mehrere Stunden unter stark frequentierten Postings namhafter Seiten zu lesen waren.

Der Grund dafür ist einfach: Kommentare, die viel Aufmerksamkeit erfahren, werden vom Facebook-Algorithmus durch eine exponierte Lage direkt oben in der Kommentar-Spalte belohnt. Wir machten unsere Marke also bekannter, in dem wir sie als Urheber flotter und gefälliger Beiträge möglichst lange unter vertrauenswürdigen Postings von beliebten Medienanstalten platzierten.

Beispiel 1

Die Tagesschau postete, dass ein Flashmob eine Massenpanik in einem spanischen Urlaubsort ausgelöst hat. Keine Toten, keine verletzten Kinder. Herrlich! Da darf man also mal einen Gag machen ohne direkt beleidigt zu werden. Ich ahnte, dass Tagesschau-Abonnenten bestimmt etwas flashmob-ablehendes in sich tragen, deswegen schenkte ich ihnen diesen Kommentar:

„Der Unterschied zwischen Flashmob und Terror ist ohnehin oft ein sehr schmaler Grat.“

Sie belohnten meine Vorahnung mit 86 Likes und sorgten somit dafür, dass unser Kommentar über mehrere Stunden als einer von Zweien direkt als oberster unter dem Posting stand und somit von vielen Tagesschau-Fans gelesen wurden. Natürlich bemerkten viele unser Profil und stillten ihre Neugierde mit einem Besuch auf der Seite unseres Kunden.

facebook-beispiel-1-netkin-digital-marketing

 

Beispiel 2

Unserer Auftraggeber hat den Anspruch in Nordrhein Westfalen ein junges Theater für ein gebildetes und medienorientiertes Publikum zu machen. Deswegen knöpften wir uns auch die Jugendwelle des Westdeutschen Rundfunks vor. Wir hofften auf Postings, die uns auf gute Ideen kommen ließen, die wiederum der Community gefallen und somit unsere Marke lange sichtbar bleiben lassen.

Nach kurzer Zeit ging es um ein Urteil, das besagt, dass keine Versandgebühren erhoben werden dürfen, wenn man sich ein gekauftes Ticket selber ausdruckt. Wir hatten folgende Gagidee:

 

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Klar, Untenrum-Humor zieht immer. Der Effekt: Fast 100 Likes innerhalb weniger Stunden. Und somit haben viele Tausend 1Live Hörer unsere Namen gelesen, wahrgenommen und direkt mit feinstem Humor verknüpft. „Boa, wer ist das denn? Die sind aber frech!“ Viele landeten auf unserer FB-Seite.

Beispiel 3

Ein drittes und letztes Beispiel soll ganz deutlich aufzeigen, dass es uns um möglichst viele Likes, Wows, Lacher ging, damit unsere Seite so lange wie möglich direkt oben in der Kommentarspalte stand. Die Seiten, auf denen wir kommentierten, hatten teilweise über 2 Mio. Fans, so dass wir uns wirklich einen guten Effekt für unsere Marke erhofften, wenn wir nur lange genug als Top-Kommentar im Spiel blieben. Die Süddeutsche Zeitung postete eine bunte Meldung, leichte Kost. Ein Urlauber rennt einem Flugzeug hinterher. Die vermutlich hollywoodkritische Leserschaft honorierte unseren Kommentar mit etlichen Gefällt-Mirs (250 Interaktionen: Like, Lacher und Wows)

„Der Typ kann nichts dafür. Hollywood hat uns eingeredet, dass das geht.“

 

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So arbeiteten wir ungefähr 3 Monate. Nicht jeden Tag, es war ja immerhin auch ein Experiment, aber ein paar mal in der Woche gingen wir auf Guerilla-Tour. Insgesamt platzierten wir 30 guter Gags unter Postings von Tagesschau, Bild, 1live, Süddeutsche, Kölner Express, Spon usw.

Der Effekt

Das gesetzte Hauptziel war es, die Aufmerksamkeit auf unsere Seite zu lenken, die Interaktionsrate zu erhöhen und auszutesten, inwiefern das lediglich mit witzigen und provokanten Kommentaren möglich sein kann.

Im Allgemeinen waren wir sehr zufrieden, dass mit ein paar gut gesetzten und getimten Gags soviel Interaktion und Aufmerksamkeit zu generieren war.

Zusammenfassung:

Wir haben versucht mit relativ geringem Aufwand und einer Menge Kreativität Aufmerksamkeit auf unsere Seite zu lenken. In Guerilla-Manier haben wir alle für die Zielgruppe relevanten Seiten abonniert und direkt nach dem Erscheinen von gefälligen Postings sehr flott einen humoristischen Kommentar darunter gesetzt. Je früher unsere Kommentar gesetzt wurde, umso früher bekamen wir positive Resonanz und umso länger bliebt dieser Kommentar als Top-Kommentar direkt unter dem Posting stehen. Dadurch erhielten wir weitere Likes. Ein Teufelskreis oder in unserem Fall: ein „Engelskreis“. Viele Tausend User haben in dieser Zeit unseren Namen und somit den Namen der Produktionsfirma gelesen und ihn mit handgemachten Gags verknüpft. Und genau das war unser Ziel.

Alexander Löher

Social Media Manager, Comedy-Autor, Medientrainer

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